Abschied aus Heidelberg

07.04.2026 |

KMD Prof. Dr. Markus Uhl verlässt Heidelberg
nach über 19 Jahren als Bezirkskantor
an der Jesuitenkirche in Heidelberg

Nach etwas mehr als 19 Jahren verlasse ich Heidelberg ziemlich genau an der Hälfte meines Berufslebens. Die Entscheidung ist mir nicht leichtgefallen, auch wenn ich weiß, dass meine Berufung auf die W3-Professur für Orgel und Liturgisches Orgelspiel an der Hochschule für Musik und Tanz Köln genau der richtige Schritt zum richtigen Zeitpunkt für mich ist.
 
Immer wenn ich anderen Menschen, insbesondere Kolleg⋅innen, mein Arbeitsumfeld gezeigt habe – zuletzt Studierenden der Kölner Musikhochschule – wurde mir bewusst, in welchem Kirchenmusikparadies ich in den vergangenen Jahren wirken durfte: die charmante Stadt am Neckar, die grandiose, helle, schlichte und doch prächtige Jesuitenkirche als perfekter liturgischer Ort, die beiden ausgezeichneten Kuhn-Orgeln, die hervorragende Infrastruktur mit dem Haus der Begegnung, die für katholische Verhältnisse üppigen finanziellen Möglichkeiten, die künstlerische Autarkie als »Generalmusikdirektor und Hausmeister in einer Person« und vieles mehr. Einiges davon existierte noch nicht, als ich im Januar 2007 meinen Dienst angetreten habe. Umso dankbarer bin ich, dass sich das alles so gestalten ließ.
 
Diese äußeren Faktoren alleine wären allerdings noch nicht das eigentliche Paradies. Zu einem Paradies gehören in jedem Fall Menschen. Das sind als erstes die vielen aufmerksamen und kulturaffinen Freund⋅innen der Kirchenmusik an der Jesuitenkirche in Gottesdiensten und Konzerten. Hinzu kommen die Menschen, mit denen ich zusammengearbeitet habe: meine Arbeitskolleg⋅innen im Amt für Kirchenmusik, die Bezirkskantor⋅innen und viele andere hauptamtliche Kirchenmusiker⋅innen in der Erzdiözese Freiburg sowie Menschen in der Verwaltung des Erzbischöflichen Ordinariats. Besonders hilfreich waren für mich die Mitarbeiter⋅innen, die mich in den letzten 19 Jahren im Bezirkskantorat Heidelberg tatkräftig unterstützt haben. 
 
Es gehören dazu die Pfarrer der Pfarrei Heilig Geist, mit denen ich über Jahre hinweg zusammen mit weiteren Priestern die Liturgie an der Jesuitenkirche prägen durfte. Zu nennen sind die pastoralen Mitarbeiter⋅innen, die Mitarbeiter⋅innen in der Verwaltung und die nebenberuflichen Kirchenmusiker⋅innen auf dem Gebiet der Stadtkirche Heidelberg sowie die Pfarrsekretärinnen und Mesner an der Jesuitenkirche. Hinzu gehören auch die Menschen, mit denen ich in meinem Bezirk zwischen Rettigheim und Laudenbach in Kontakt war und selbstverständlich die vielen Sänger⋅innen in den Ensembles rund um die Jesuitenkirche: in der Cappella Palatina, in der Schola Cantorum, im Kantorenensemble und im Kantorendienst, in der Frauenschola, in den verschiedenen Studierendenensembles und in den Familienprojektchören. Es dürften weit über 1.000 Chorproben zusammengekommen sein. Ebenfalls dazu gehören die professionellen Musiker⋅innen in den Orchestern, mit denen ich die Gottesdienste an Hochfesten und insgesamt 44 oratorische Konzerte gestalten durfte. Noch zahlreicher sind die Konzert- und Gottesdienstprojekte mit hervorragenden Solist⋅innen aus dem In- und Ausland.
 
Ein weiterer wichtiger Bereich meiner Arbeit war die Ausbildung von mehr als 100 nebenamtlichen Kirchenmusiker⋅innen über das Bezirkskantorat Heidelberg in der C-Ausbildung, dem Kirchenmusikalischen Unterricht, der Kinderchorleitungsausbildung und der Ausbildung »Vorsingen im Gottesdienst«, von denen heute viele in unterschiedlichen Konstellationen kirchenmusikalisch tätig sind. Etwa die Hälfte davon durfte ich auch im Einzelunterricht Orgel begleiten, darunter herausragende Talente, die ein Musikstudium aufgenommen haben. Hinzu kommen noch viele weitere Menschen, denen ich auf Intensivkursen, in Vorträgen, auf Tagungen und bei Fortbildungen kirchenmusikalische Impulse geben durfte.
 
Ausgezeichnete Kooperationen gab es mit den Menschen im Kulturamt der Stadt Heidelberg, der Marienhaus-Stiftung und vor allem im Kontext des Internationalen Musikfestivals Heidelberger Frühling. Zu nennen sind auch meine Kolleg⋅innen auf evangelischer Seite, die Kinder und Erzieher⋅innen des Kindergartens St. Christophorus, mit denen ich regelmäßig Gottesdienste an Erntedank oder St. Martin gestalten durfte, die Ministrant⋅innen der Pfarrei Heilig Geist, mit denen zusammen an Hochfesten außergewöhnliche liturgiedramaturgische Raffinessen möglich waren, sowie die vielen Ehrenamtlichen in und um die Jesuitenkirche herum, ohne die kein kirchliches Leben möglich wäre.
 
Im Bewusstsein, dass mir das kirchenmusikalische Paradies in Heidelberg nur zeitweise zur treuen Verwaltung anvertraut wurde, bin ich außerordentlich dankbar für 19 Jahre intensives, gemeinsam gelebtes Leben und viele über die Jahre gewachsene Freundschaften in Heidelberg und darüber hinaus. Meinem Nachfolger Markus Eichenlaub wünsche ich viel Erfolg, Kreativität und Ausdauer an dieser wunderbaren Stelle.
 
Es war mir Ehre und Freude gleichermaßen, Bezirkskantor der Erzdiözese Freiburg an der Jesuitenkirche Heidelberg zu sein!
 
Alles Gute für die Zukunft sowie Gottes Segen wünscht Ihnen und Euch
Markus Uhl
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